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Diskussion erwünscht!
Der Kolleginnenpulli ist fertig und entspannt im Bade. Ich hoffe, er gefällt der Kollegin und wird zu genau dem Lieblingspullover, den sie sich wünscht.
Bleibt die Frage nach dem Preis, den ich verlangen kann .. darf ... sollte.
Ein leidiges und in Blogs und Foren vieldiskutiertes Thema.
Grob geschätzt habe ich 30-35 Stunden an dem Pulli gestrickt und genäht.
Ich weiß schon, dass die Arbeitszeit nicht bezahlt wird. Wäre das so und ich würde z.B. vom durchschnittlichen Stundenlohn eines Erntehelfers ausgehen, müsste ich schon meine handgestrickten Socken für 40 € verkaufen. Bei einem Pullover, der ein Vielfaches der Arbeitszeit benötigt, käme man schnell auf 200 € und mehr. Ich selbst würde einen solchen Preis nicht bezahlen - aber ich kann ja auch selbst stricken.
Die oft erwähnten 10 € Stundenlohn fürs Stricken sind für mich absolut indiskutabel.
Ein Paar Socken verkaufe ich, inclusive Material, für 12 - 15 €.
Errechne ich daraus einen Stundenlohn (hmm .. da bin ich ja doch wieder
beim Stundenlohn gelandet, das wollte ich vermeiden) müsste ich für den
Kolleginnenpulli etwas mehr als 50 € verlangen.
Abgesehen von der Arbeitszeit könnte ich den Aufwand berücksichtigen.
Glatt rechts, Nadelstärke 5, Anleitung nur im Kopf - das erfordert
wenig Konzentration und geht gut bei Tatort und Co.
Für diesen Clapotis, der ein Auftrag für eine gänzlich Unbekannte war, habe ich 35 € bekommen. Das war noch weniger Aufwand.
Das Argument der Wertschätzung von Handgearbeiteten lasse ich ganz unberücksichtigt. Wertschätzung drückt sich für mich nicht immer in barer Münze aus und bare Münze drückt nicht immer Wertschätzung aus.
Sicher, in der Autowerkstatt, beim Friseur oder Heizungsbauer zahle ich den geforderten Preis, weil mir die entsprechenden Fertigkeiten fehlen - ich möchte nur ungern mit selbstgeschnittenen Haaren 'rumlaufen, auch wenn das für den Rest der Welt sicher sehr erheiternd wäre ;-)) - warum also sollte jemand, der nicht stricken kann, nicht auch einen angemessenen Preis zahlen. Was aber ist angemessen?
50€, 80€, 100€, weniger oder mehr?
Bisher habe ich die Lieblingspullover für Freunde/Freundinnen gestrickt und kein Geld dafür verlangt, weil mir die offensichtliche Freude und das aufrichtige "Danke" genug waren. Da erübrigt sich jede Frage nach Preis oder Entlohnung, was mir viel lieber ist.
Da das Stricken mir Freude bereitet ist es schön, wenn die Freude über das fertige Strickstück meine eigene Freude verdoppelt und ich freue mich immer wieder, wenn ich sehe, dass meine Strickstücke gerne getragen werden. Freude über Freude *gg*
Ich möchte nicht den Anschein falscher Bescheidenheit erwecken, wobei ich Bescheidenheit nicht falsch finde ... aber das ist ein anderes Thema.
Bei einem offensichtlichen Auftrag, den ich schließlich auch angenommen habe (blöderweise ohne VORHER einen Preis vereinbart zu haben) sehe ich das mit dem aufrichtigen Dank allerdings etwas anders. Ich frage mich nur, ob ich mir bei einer Preisvereinbarung bei Auftragseingang, um es mal ganz geschäftsmäßig auszudrücken, weniger Kopfzerbrechen gemacht hätte.
Sicher nicht, sonst hätte ich wahrscheinlich einfach einen Preis genannt und fertig!
Vielleicht sollte ich abwarten, wie sehr meine Kollegin sich freut .. ok .. das war nicht ganz ernst gemeint ... :-))
Meine Kollegin malt. Ich könnte ein Bild in Auftrag geben.
Fähigkeiten zu tauschen finde ich angemessen.
Schließlich kann ich sagen, dass ich froh bin, meinen Lebensunterhalt anders gesichert zu wissen als durchs Stricken, da ich anderenfalls wohl als die sprichwörtliche (mittel)alte Frau wäre, die dafür lange stricken muss.
Ich freue mich über eure Kommentare.
Brigitte 29.04.2010, 09.47
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Kommentare zu diesem Beitrag
Die Idee mit dem Tauschgeschäft finde ich ansich nicht schlecht, wenn du die Bilder magst, wie bereits erwähnt. Vielleicht hat deine Kollegin ja aber auch noch andere Fähigkeiten? Vielleicht bügelt sie gern oder putzt gerne Fenster oder ähnliches, was du vielleicht nicht so magst oder außerordentlich ungern tust?
Ansonsten finde ich die Idee von Sibille auch nicht schlecht.
Liebe Grüße
Petra
vom 30.04.2010, 07.40
Du bist ein Herzchen - Preis, Tauschgut, Gegenleistung, ... nicht vorher festlegen (könne ich sein)...
Aber Du willst ja weniger Solidarität als Meinung: Fähigkeiten tauschen ist grundsätzlich toll, wenn Dir der Stil gefällt, Du ein bestimmtes Bild "in Auftrag" geben kannst, weil Du es gerne hättest - finde ich nachträglich aber auch nicht einfach.
Wenn ich gegen Entgelt stricke (was ich sehr ungern und deshalb selten tue), lasse ich mir auf jeden Fall das Material bezahlen. Für die Anerkennung der Strickerei gebe ich den Link zu meiner Amazon-Liste weiter und freue mich über das, was ich bekomme - egal, was oder wie viel es ist.
Gruß Sibille
vom 29.04.2010, 19.58
Liebe Brigitte,
"früher" habe ich mal in einem Woll-Laden gearbeitet, für einen Pulli gab es 80-100 DM, für eine Strickjacke 100-120 DM, je nach Größe. Das Material hat die Kundin selbst bezahlt.
Ich würde 50 Euro plus Materialpreis verlangen, alternativ doppelter Materialpreis oder pro verstricktem (50g)Knäuel 5 Euro. Das mit dem Bild ist so eine Sache; möchtest Du denn gern ein Bild von Deiner Kollegin?
Wenn Du jetzt sagst, ja, ich hab ihre Bilder schon immer bewundert und mich nie getraut zufragen, dann wäre ein Tausch ideal.
Aber die Kollegin den Preis bestimmen zu lassen, die ja nicht stricken kann und somit auch den Aufwand nur vom "HörenSagen" kennt, finde ich nicht optimal.
Zur Not schau doch mal bei DAWANDA, was ein vergleichbarer Pulli kostet???
Du machst das schon!
lieben Gruß
Britt
vom 29.04.2010, 19.53
Wenn Du die Bilder magst.... ?
ich habe das auch mal so gemacht und den Horror gekriegt und mich gequält, aber letztlich 2 Euro pro Stunde verlangt. Einfach den doppelten 1-Euro-Stundenlohn. Das war dann auch noch üppig (120 Euro oder so) und war für die Betreffende okay.
Viele Grüße
Angela
vom 29.04.2010, 19.22
Hallo,
Ich würde ihr den Materialpreis nennen und dann schauen, wie sie reagiert. Sie wird Dir natürlich mehr geben und die Differenz ist dann Dein Trinkgeld. Ist zwar eigentlich zu wenig, aber für eine Wildfremde ist der Pulli ja nicht. Da würde ich auch im Voraus einen Betrag nennen und dann entweder Hop oder Top.
Liebe Grüße
Julia
vom 29.04.2010, 19.21
Ich denke, wenn Du das Geld nicht unbedingt brauchst, hast Du beim Tausch mit einem Bild langfristig das beste Bauchgefühl.
Eigentlich geht Auftragsstricken überhaupt nicht.
Ggf. solltet Ihr die Materialkosten aber nochmal getrennt betrachten.
vom 29.04.2010, 17.37
Also, das ist wirklich ein schwieriges Thema. Ich meine, wenn Deine Arbeitskollegin den Pullover in Auftrag gegeben hat, dann wird sie Deine Arbeit auch zu schätzen wissen. Andernfalls hätte sie sich auch einen 0-8-15-Pullover kaufen können. Qualität hat seinen Preis. Und es war schließlich Deine Freizeit, die Du in den Pullover investiert hast. Meiner Meinung nach kannst Du zusätzlich zu den Materialkosten mindestens 50,- Euro verlangen. Wurde keine Vereinbarung getroffen, bevor Du mit dem Stricken angefangen hast? Beim nächsten Mal würde ich darüber vorher sprechen, so daß Du Dir keinen Kopf darüber machen mußt.
LG.
Annegret
vom 29.04.2010, 14.26
Fähigkeiten tauschen ist sicher eine klasse Sache, aber vielleicht magst Du den Stil nicht, in dem Deine Kollegin malt? Ich stimme eigentlich für die von Karen: Laß den Preis Deine Kollegin festlegen! Ich würde, aber im Vorfeld die Höhe der Materialkosten erwähnen.
Viel Glück bei Deiner Entscheidung
Britta
P.S. Und für den nächsten Auftrag leg den Preis im Vorfeld fest!
vom 29.04.2010, 13.27
Das mit dem Bild malen lassen finde ich die beste Idee.
Ein Bild ist zwar schneller fertig als ein Pulli, aber andererseits kann man ein Bild nicht nebenher (Fernseher, Hörbuch oder so) malen. Da muss man konzentriert dransitzen. So dass ich den Preis für Malstunden höher ansetze als für Strickstunden.
Falls die Kollegin kein Bild abgeben mag, wird es schwierig.
Grob gesagt musst du den Preis in diesem Fall so festlegen, dass du für Dich selbst sagen kannst "das würde ich jederzeit wieder machen" - und zwar auch dann, wenn deine Kollegin keinerlei Rücksicht auf den Pulli nimmt, ihn zur Buntwäsche mit Vollwaschmittel in die Waschmaschine wirft. Weil gekauft ist gekauft und du hast anschließend keine Rechte mehr darauf, dass das Teil heiß und innig geliebt wird - oder eben für lau bei ebay weiterverkauft wird.
Dein Preis sollte also so sein, dass dir das alles egal sein kann und du den Pulli trotzdem wieder für diesen Preis verkaufen würdest. Dann hast du den richtigen Preis gefunden.
Alles andere macht unzufrieden und das soll bei einem Hobby ja nicht sein. Genau dafür verdienen wir unseren Lebensunterhalt anderswo. Und wer weiß? Vielleicht kommt anschließend noch die Freundin der Kollin angetrabt und die Freundin der Freundin.... also, setz den Preis nicht zu niedrig.
Einen Betrag mag ich Dir nicht nennen. Weil, meiner läge bei den 300 Euronen für 30 Arbeitsstunden plus Materialkosten. Und dass das utopisch ist, das weiß ich auch.
Grüßle, die Bea
vom 29.04.2010, 12.41
Die Idee mit dem Bild als Tausch finde ich sehr gut. Nachverhandeln ist dagegen immer etwas schwierig. Aber wie du schon sagtest, ehrliche Freude über deine Arbeit hat auch ihren eigenen Wert.
LG Ines
vom 29.04.2010, 12.23
Du hast es schon so schön ausgedrückt :
Fähigkeiten tauschen
Das klingt nicht nur gut- sondern ist es auch.. so werdet ihr beide letztendlich ein gutes Gefühl haben und zwar jede für sich als Gebende UND als Nehmende..
vom 29.04.2010, 12.19
Lass doch den Preis deine Kollegin festlegen, sag ihr einfach, sie möge das bezahlen, was ihr der Pullover Wert ist.
Und dann is gut, egal wie es ausgeht.
schönen Sonnentag noch
Karen
vom 29.04.2010, 10.39








Ich stehe dem Stricken für Geld ausgesprochen distanziert gegenüber, da eine realistische Bezahlung die eigene Arbeit abwertet und eine, die auch nur entfernt dem Lohn einer ungelernten Hilfskraft entspricht, niemand bezahlen möchte. Daher stricke ich nie nie, nie für Geld.
Kompensationsgeschäfte sind etwas anderes; so habe ich für einen weiblichen St.Pauli-Fan eine Luxusversion eines Fanschals gestrickt. Bezahlt wurde ich mit einer Karte für einen gemeinsamen Stadionbesuch. Das war ein schönes Erlebnis und mir mehr wert als der fünffache Betrag, den die Karte gekostet hat, in bar.
Viele Grüße
Jinx
vom 01.05.2010, 23.55